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Was das Internet über mich weiß!
Florian traut seinen Ohren nicht. Nach zahlreichen Bewerbungen sitzt der 26-jährige Diplom-Kaufmann auf dem Stuhl im Personalbüro eines der europaweit führenden Beratungsunternehmen und jetzt das. Zahlreiche Gedanken schießen in diesem Moment durch Florians Kopf: War alles umsonst? Die ganze Mühe, die viele Arbeit, der häufige Stress?
Der Markt mit der Reputation
Mit der steigenden Anzahl an Personen-Suchanfragen hat sich auch ein dementsprechender Markt entwickelt. Auf der einen Seite stehen Internetanbieter, die das Netz im Auftrag anderer professionell nach Daten über bestimmte Personen durchsuchen. Zu diesen zählen unter anderem:
Im Gegensatz dazu haben sich Unternehmen gebildet, die sich mit der Datenbereinigung beziehungsweise Aufbereitung von Personendaten befassen. Dazu gehören die kostenlosen Sites:
- FindMeOn
- iKarma
- Lijit
- ReputationsDefender (kostenpflichtig)
Deren Ziel besteht in erster Linie darin, das Image ihrer Kunden aufzupolieren, indem Stärken in den Vordergrund gerückt und Schwächen ausgeblendet werden.
Florian befindet sich in einer Situation, die derzeit von vielen Bewerbern durchlebt wird. Der Personaler sitzt an seinem Schreibtisch, das Gespräch scheint konstruktiv und positiv zu verlaufen und dann der bittere Moment, in dem der Personalverantwortliche die Frage stellt, die den Bewerber aus allen Wolken fallen lässt: »Herr Müller, sind Sie der Meinung, dass Fotos dieser Art für unser Unternehmen tragbar sind?«
Mit dem Satz legt der Unternehmensvertreter Florian Fotos der letzten Semesterparty vor, auf denen er sichtlich alkoholisiert auf einer Box tanzt und dabei seinen nackten Bauch in die Kamera streckt. Deutlich geschockt fehlen Florian in diesem Moment die Worte. Ein derartiges Bild in einer solchen Situation; damit hätte er nicht gerechnet. Noch bevor der vermeintliche Bauchtänzer antworten kann, ergreift sein Gegenüber abermals das Wort: »Herr Müller, verstehen Sie mich bitte richtig. Sie können in Ihrer Freizeit tun und lassen, was Sie wollen. Darum geht es mir gar nicht. Auch ich war mal jung und kann mich an meine Studentenzeit noch allzugut erinnern. Doch gewisse Dinge müssen einfach privat bleiben. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, wie leichtsinnig unsere Bewerber mit ihrem persönlichen Ruf umgehen und wir als Unternehmen müssen einfach davon ausgehen, dass ähnlich mit dem Ruf des Unternehmens umgegangen wird.«
Nutzerkommentare zu diesem Artikel
Kommentieren | Kommentare 1 bis 9 von 9
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Alex
kommentierte am 15. November um 20:32 Uhr:
»Unabhängig vom juristischen Hintergrund finde ich, dass man eine solche Situation nicht immer vorhersehen kann. Grade wenn diese Problemstellung mit neueren Entwicklungen verbunden sind, die noch nicht so oft öffentlich diskutiert wurden.
Insofern danke quu für den Denkanstoß.Aus der Sicht eines Studenten muss ich sagen, es ist mir ehlich gesagt ziemlich egal, welche Bilder von mir in welchem Zustand online zugänglich sind, bspw auf dem weiß-rot gehaltenen Verzeichnis für angehende Jungakademiker.
Grade wenn man sich als Absolvent auf die erste Stelle bewirbt hat man wahrscheinlich noch kein genaues Rollenbild, dem man die nächsten 40 Berufsjahre entsprechen soll.
Und selbst wenn, kommt man wahrscheinlich nicht sofort auf den Eigenanteil an der Außenwirkung des Unternehmens, auch im Privaten. Es liegt einfach außerhalb des bisherigen Erfahrungsbereiches.
(Ich kann aber berichten, dass solche Denkanstöße durch Praktika im Voraus durchaus ermöglicht werden können.)
Jedoch würde ich mich als Arbeitgeber lieber für einen Bewerber entscheiden, von dem ich weis, dass er ein intaktes Privatleben hat als für jemanden, bei dem ich vom Gegenteil ausgehen kann.Vielleicht wird die ganze Sache auch nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird, aber darauf anlegen möchte ich es natürlich nicht.«
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Mario
kommentierte am 15. November um 9:38 Uhr:
»Bin natürlich kein Jurist. Allerdings hat man, soweit ich weiß, stets das Recht am eigenen Bild. Eine Ausnahme besteht glaube ich, wenn man in größeren Gruppen fotografiert wird. Aber wie gesagt, sicher weiß ich das nicht…«
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Jennse
kommentierte am 14. November um 23:41 Uhr:
»@ Alex: das ist ein sehr richtiger Einwand worüber ich noch gar nicht nachgedacht habe. Das bringt mich gleich zu der Frage, ob ich den Betreiber des Portales eigentlich zum Entfernen des Bildes verpflichten kann.
Weiss da jemand eine Antwort drauf?«
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Alex
kommentierte am 14. November um 22:32 Uhr:
»Nicht immer stellt man Partyfotos selber online.
Auf vielen Parties wird auch einfach vom Veranstalter photographiert und veröffentlicht.Auch Bekannte können Partybilder in diversen Social Communities uploaden. Oftmals sind diese der möglichen Folgen gar nicht bewusst und man selbst hat die Bilder noch nie gesehen.
Natürlich muss man auf seinen Ruf achten, aber hunderprozentig lassen sich solche Peinlichkeiten auch nicht vermeiden.«
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Mario
kommentierte am 12. November um 12:09 Uhr:
»Sehe ich genauso. Wer Partyfotos oder ähnliches online stellt muss das halt unter einem Pseudonym machen.
Aber habt ihr das Thema mal von der anderen Seite betrachtet? So ein Profil kann sich doch vielleicht auch positiv auswirken, wenn man sich dort entsprechend darstellt oder in etwas seriöseren Portalen wie OpenBC sogar zum Job verhelfen…«
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Gregor
kommentierte am 11. November um 22:33 Uhr:
»Naja, also, da muss ich doch sagen, da ist jeder selbst Schuld, der durch sowas eine schlechtere Stellung bei einem Bewerbungsgespräch hat! Immerhin ist man selbst dafür verantwortlich wieviele Informationen über einen selbst Internet landen.
Auf seinen Ruf sollte man schon selbst aufpassen.« -
Sibille
kommentierte am 10. November um 20:14 Uhr:
»Ich kann Lisa nur Recht geben, habe auch schonmal eine Geschichte gehört die in die Richtung von Florian geht, finde ich schade das man durch das Internet mehr und mehr an Privatsphäre verliert…«
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Lisa
kommentierte am 07. November um 14:22 Uhr:
»Ähnliche Geschichten habe ich aus meinem Bekanntenkreis gehört. Leider ist es dort nicht so gut ausgegangen wie bei Florian. Insofern ein wichtiges Thema.«
